Ende des 18. Jahrhunderts tötete in den französischen Cevennen ein riesiges wolfsähnliches Tier mehr als hundert Menschen. Drei Jahre lebten die Bewohner in der unwegsamen und einsamen Gegend in Angst und Schrecken. Wir reisen in die dunklen Schluchten und tiefen Wälder. Und wir versuchen in der Nacht nicht an die alten Geschichten zu denken.

Die “Bestie vom Gévaudan”, wie das Tier bald genannt wurde, hatte in dem entlegenen Gebiet leichtes Spiel. Der Landstrich ist bis heute nur spärlich besiedelt und schwer zugänglich. Nach stundenlanger Fahrt über endlose Serpentinen erreichen wir unser Ziel.

Die Ruine einer verlassenen Silbermine in der Schlucht des Chassezac, Cevennen, Frankreich

Die Ruine einer verlassenen Silbermine in der Schlucht des Chassezac

Um auch nur ein Baguette zu kaufen, muss man hier oft eine beschwerliche Fahrt durch die Berge in Kauf nehmen. Ein bis heute nicht einfaches Leben. Ein Paradies für uns. Weiter kann man der Stadt nicht entfliehen. Nachts schlafen wir beim Rauschen des Flusses ein. Noch nicht einmal Flugzeuge sieht man hier am Himmel.

Die wilden Cevennen

Das Klima ist hier selbst im Mai noch rau. Morgens erwachen wir bei strahlendem Sonnenschein. Mittags regnet wie aus Eimern. Die Flüsse in den tiefen Schluchten werden zu reißenden Strömen. Auf dem Schiefergestein wird es rutschig wie auf einer Eisbahn. Bei unseren Touren verlieren wir nicht nur einmal die Orientierung.

Uralte, einsame Wege über dem Lac du Villefort in den französischen Cevennen

Uralte, einsame Wege über dem Lac de Villefort

Gewitter ziehen hier immer plötzlich auf. Wir flüchten in eine uralte verlassene Scheune. Hoffentlich eine gute Idee. Wie war das nochmal mit den Bäumen, den Häusern und den Blitzen?

Was für ein Untier trieb hier sein Unwesen?

Wir schauen uns um. Vom alten Gutshof sind außer der Scheune nur noch Ruinen zu sehen. Die nächsten Häuser sind Kilometer entfernt. Ganz schön einsam. Und ein bisschen unheimlich, als uns die Geschichte mit dem Wolfstier wieder in den Sinn kommt.

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Die Cevennen waren schon immer spärlich besiedelt

Die Bestie verstümmelte und fraß die Opfer teilweise. Oft fehlten ganze Körperteile. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder. Erst nach unzähligen Versuchen – selbst der König schickte ein Jagdkommando – gelang es, die Bestie zu erlegen. Es war weder ein Wolf noch ein anderes bekanntes Tier. Eine Hyäne oder gar ein Löwe?

Heute geht man davon aus, dass es eine Kreuzung eines Wolfs mit einem Hirtenhund war. Anscheinend eine gefährliche Mischung. Unten im Dorf sind uns einige sehr ungemütlich dreinschauende Hunde begegnet.

Die letzte Wildnis

Aber wir sollten ja auch nicht ohne Karte und schon gar nicht allein in abgelegene Gebiete gehen, sagt man uns. Wir finden mit hilfe von GPS und Google Maps nach einem schweißtreibenden Marsch freilich wieder zurück in die Zivilisation. Trotzdem sollten wir die raue Natur hier nicht unterschätzen. Eine letzte Wildnis mitten in Europa.

Die mystischen Wälder der Cevennen in Frankreich

Die mystischen Wälder der Cevennen

Die Einsamkeit hat immer schon Menschen angezogen. Die Hugenotten flohen im 17. Jahrhundert hierhin. In der unübersichtlichen, wilden Einöde konnten die Häscher ihre Schlupflöcher nicht aufstöbern.

Überall Hippies und Aussteiger
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Relaxte Atmosphäre in den Bars und Cafés (Le Vans)

Heute trifft man viele Aussteiger und Hippies in den Cevennen. Es besteht keine zwingende Schulpflicht. Immobilien sind billig und die Lebenshaltungskosten für französische Verhältnisse moderat. Ein idealer Rückzugsort. Dementsprechend bunt geht es auf den buckligen Straßen der uralten Orte zu.

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Wild Swimming France – spektakuläres Badevergnügen

Auch wenn wir selten in einer so entlegenen Gegend unterwegs waren, einen lustigen Abend kann man hier immer haben. Oder man lässt sich die alten Geschichten erzählen. Aber bitte nur nicht unterwegs in den dunklen Schluchten und Wäldern.

Fotos: The Golden Gecko

 

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Der Film-Tipp zum Thema: Der Pakt der Wölfe

Bei Regisseur Christophe Gans ist die Bestie ein brutal abgerichtetes Raubtier aus Afrika