Laibach – das ist der alte deutsche Name der slowenischen Hauptstadt Ljubljana und auch der Name der bekanntesten Band Sloweniens. Das Künstlerkollektiv irritiert und provoziert seit 30 Jahren durch provokante Aktionen, totalitäre Symbolik und martialischen Industialsound. Sie sind überaus kontrovers und sehr erfolgreich. Gegensätzlicher könnte das charmante und gefällige Ljubljana nicht sein.

Der Weg in die Stadt führt durch trostlose Wohnblocksiedlungen und Gewerbegebiete alter sozialistischer Bauweise. Grau und schmucklos, wie so viele Vorstädte. Wir lassen uns davon nicht abschrecken. Ljubljana, hatten wir gehört, sei eine der unterschätzten Trend-Städte. Mitten in Europa, zwischen Alpen und Mittelmeer gelegen, soll Ljubljana eine Hochburg alternativer Kultur, Kreativität und KuK-Romantik sein.

Ein unverhoffter Regentag kommt uns für einen Tagestrip in die Hauptstadt Sloweniens also gerade recht.

Ljubljana – pittoresk und verspielt

Am Ufer des Flusses Ljubljanica mit den vielen Cafés und Restaurants beginnt und endet meistens ein Tag im alten Laibach. Auf den ersten Blick eine nicht allzu große, gemütliche und schnuckelige Stadt. Alles ist gut zu Fuß erreichbar. Wir nehmen wir uns also gleich die “Hotspots” vor. Der Fluß und die Drachenbrücke sind mystisch und schön. Auf der Burg haben wir den besten Blick über die Häuser der Stadt. Die Altstadt, sehr sauber und neu saniert, gibt sich pittoresk bis verspielt.

Alles sehr idyllisch und sympathisch. Aber wir finden auch wenig Einzigartiges oder gar Spannendes. Hatten wir zuviel erwartet?

Ljubljana an einem Tag: Eine Hochburg des Shoefiti-Trends.

Ljubljana, eine Hochburg des Trends Shoefiti.

Es gibt hier tatsächlich auch ein Künstlerviertel. Das alternative Zentrum Metelkova war ehemals ein Militärgelände samt Gefängnis. Heute ist es Spielwiese für die zahlreichen Graffiti Künstler Ljubljanas. Alles strotzt nur so von Kreativität. Es gibt viele Galerien und Bars. Abends soll hier Musik aufgelegt werden.

Leider ist an diesem Regentag auch hier nicht viel los.

Am Ufer

Ein wenig enttäuscht und ausgepowert lassen wir uns auf der Suche nach kosmopolitischen Flair an einer der zahlreichen Terrassen am Ufer nieder. Am frühen Abend kommen jetzt hier Einheimische und Touristen zusammen.

Es geht gemächlich zu. Die Office-Girls bestellen sich Cocktails. Daneben probieren ein paar Jugendliche aus England das allgegenwärtige Laško Bier. Die Geschäftsleute auf dem gegenüberliegenden Markt packen zusammen. Straßenmusiker spielen dezente Rock-Balladen. Ein leichter Duft von Marihuana liegt in der Luft. Doch ein Hauch von Underground?

Es wird gemütlich. Schön ist es hier und herrlich unaufgeregt. Unmerklich beginnen wir die Stadt zu genießen. Das Tempo der Stadt ist für den gestressten Großstädter sehr angenehm. Die Menschen, immer ruhig und zurückhaltend, sprechen neben englisch meist noch italienisch und deutsch.

Jetzt, auf den zweiten Blick, entdecken wir die vielen liebevoll gestalteten Fassaden und Balkone. Hier gibt es keine monumentalen Prachtbauten. Die Stadt setzt wie ihre Bewohner auf kleine verspielte Details. Die vielen Brücken über dem Fluss – jede von ihnen ist einzigartig. Die Kolonnade mit ihren unzähligen Säulen mutet fast wie ein Tempel an.

Der dezente Charme der Stadt

Künstlerkollektiv Laibach - die Bandmitglieder wissen die Vorzüge von Ljubljana zu schätzen

Düstere Industrialsounds in martialischen Uniformen. Die Mitglieder des Band-Kollektivs Laibach wissen die Vorzüge ihrer Heimat zu schätzen. Foto Luka Kase

In den 20er und 30er Jahren gestaltete der Architekt Josef Plecnik die Innenstadt neu. Er kombinierte römische, griechische und moderne Architektur zu dem ganz eigenen, dezenten Stil.

Ist es  diese zurückhaltende Schönheit auf den zweiten Blick, die die Seele der Stadt ausmacht?

Fast alle Bandmitglieder von Laibach leben trotz ihres internationalen Erfolgs nach wie vor hier. Vielleicht erklärt Band-Gründer Ivan Novak in einem Interview am besten, was das unscheinbare Ljubljana besonders macht:

“Genau deshalb, weil wir internationale Künstler sind, leben wir hier und nicht in New York oder Berlin. Es ist eines der am besten versteckten Geheimnisse in Europa, ein großartiger Platz, um dort zu leben, und als solcher ein perfekter Unterschlupf für Laibach.”

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Foto Ufer frei nach pixabay by traveldudes

Interview mit Laibach-Gründer Ivan Novak in der Jungle World